Home
         
 Home->Rundgang
 
Rundgang durch die Pauluskirche

Der Grundstein für die Pauluskirche wurde am 31.10.1894 gelegt. Die Kirche wurde in Form einer zweischiffigen unregelmäßig gewölbten Hallenkirche mit Orgel- und Seitenempore erbaut. An das erhöhte Hauptschiff stößt ein rechteckiger Altarraum. Dem Chor mit polygoner Sakristei gegenüber befindet sich ein Anbau mit Konfirmandensaal. Der Turm in der Ecke zwischen Seitenschiff und Chor korrespondiert mit dem Haupttreppenhaus.
Grundriss
Die romantische Orgel mit 30 Registern wurde 1896 von Orgelbaumeister W. Rühlmann aus Zörbig gebaut, das Gehäuse und den Prospekt entwarf und baute der Hofbildhauer Künsch aus Wernigerode. Dass Kirchenschiff wurde einst von sechs in der Werkstatt Ferdinand Müllers in Quedlinburg hergestellte farbige Fenster geschmückt. Durch die Kriegseinwirkungen blieben nur die drei Südfenster erhalten. Sie stellen "Jesus und Nikodemus", "Jesus und die Samariterin" sowie "Jesus und den reichen Jüngling" dar. Sie zeigen Jesus damit im Gespräch mit damals ausgegrenzten bzw. an den Rand gedrängten Menschen, mit Menschen, mit denen "man" nicht sprach und weisen auf ein Wesensmerkmal der Kirche hin: sich an die Seite von Armen, Schwachen, an den Rand gedrängten Menschen zu stellen, für sie da zu sein. Orgel damals
Im Altarraum befand sich ursprünglich ein 16 Meter langer Wandteppich, der wie folgt beschrieben wurde: Links sah man Moses mit den Gesetzestafeln, Abraham mit Isaak, David mit der Harfe sowie den auferstandenen Christus mit Siegesfahne. In der Mitte war das Grab Jesu dargestellt, dass von Engeln mit Palmenzweigen bewacht wurde. Dann folgten: Maria Magdalena, Petrus mit Schlüssel, Johannes und Paulus. Nord- und Südwand schmückten rein ornamentale Muster. Altar damals
Paulus wurde der Namenspatron der Kirche.  
In den 60-igerJahren musste die Kirche saniert werden. Diese Sanierung folgte dem Geist der damaligen Zeit und führte dazu, dass ein sehr nüchterner sachlicher Raum entstand. Alles "Überflüssige" wurde beseitigt, Altar, Kanzel und Taufe wurden zerschlagen. Erhalten blieb nur das Altarkreuz, das aber nicht im Kirchenraum aufgehängt wurde. Die Farbgebung sah nun neben der weißen Grundfarbe nur leichte Grautöne vor. Altar ab 1960
Zwischen 2001 und 2003 erfolgte eine weitere Sanierung. Die Auflage war, die ursprüngliche Gestaltung des Innenraumes wiederherzustellen. Dabei wurden die steinimitierten Wandflächen, verschiedene Ornamente und florale Bemalungen, Vergoldungen sowie der gestirnte Himmel im Altarraum in mühevoller Detailarbeit ganz neu herausgearbeitet. Dort leuchtet jetzt das Rosettenfenster ganz neu. Es wurde durch die Kunstglaserei Böhme, Magdeburg, in Anlehnung an das ursprüngliche Fenster gestaltet und zeigt Christus, den Weltenrichter, der in freundlicher Zuwendung auf der Erde thront, getragen vom Regenbogen als Zeichen des Bundes, der liebenden Treue Gottes zu den Menschen. Rosettenfenster
Von dem ursprünglichen Wandbehang, gestickt von Frauen der Gemeinde, sind nur noch Reste vorhanden. Diese wurden jedoch restauriert und ungefähr in ihrer ursprünglichen Einordnung der Rückwand eingepasst. Links sind drei Hauptpersonen des Alten Testaments, des jüdischen Glaubens, abgebildet: Abraham, Moses und David, rechts drei Hauptpersonen des Neuen Testaments, des christlichen Glaubens: Petrus, Johannes und Paulus.
Zur Mitte hin ist einerseits Maria Magdalena zu erkennen, die den Weg Jesu bis zum Kreuz begleitet hat. Dieser Frau war Jesus besonders verbunden. Auf der anderen Seite ist Christus als der Auferstandene abgebildet. Sein Tod ist nicht der Schlusspunkt, sondern die Konsequenz seines Lebens und Liebens. Die Liebe hat ihn ins Leben zurückgerufen, die Liebe Gottes und auch die Liebe der Menschen wie Maria Magdalena. Diese Bilder rahmen folgerichtig das Zentrum des Altarraums.
Ursprünglich befand sich hinter dem Altar die Grablege Christi, von zwei Engeln mit Palmenzweigen bewacht. Jetzt ist das Kreuz des Altars, das sich zwischenzeitlich im Turmraum befand, wieder im Altarraum angebracht worden.
Der Altarraum wird vom Kirchenschiff durch einen Triumphbogen getrennt. So ist es in alten Kirchen üblich. In dieser Kirche ist der Bogen farblich besonders kräftig ausgebildet. Die Symbole der vier Evangelien - Engel, Löwe, Stier und Adler - sind dem Kreuz im Mittelpunkt zugeordnet. Bogenelemente
Eine Besonderheit ist die farbliche Gestaltung des Turmraumes, der in den 20-iger Jahren zu einem Ehrenraum für die Gefallenen des ersten Weltkrieges eingerichtet wurde. Hier ist eine Ausmalung in kräftigen Farben zu erkennen, die auch wieder hergestellt wurde
Die Orgel wurde im Jahre 2004 durch die Orgelbaufirma Reinhard Hüfken aus Halberstadt grundlegend erneuert und erklingt nun wieder in ihrem ursprünglichen Stil.

Wer sich näher und ausführlicher mit der Geschichte der Pauluskirche beschäftigen möchte, ist herzlich eingeladen, die Broschüre "Pauluskirche Magdeburg" zu erwerben. Sie wurde anlässlich der Wiedereinweihung der Kirche im Jahre 2003 herausgegeben.

Johannes Spenn
Orgel heute
Evangelische Kirche in Mitteldeutschland
   
aktualisiert: 14.03.2014